Einigen denen wir erzählt haben, dass wir auch nach Libyen fahren, haben uns gefragt, ob das nicht ein wenig zu gefährlich ist und durch die etwas komplizierten Einreiseregularien, mindestens 4 Personen und nur mir libyschen Guide, war Libyen auch für uns ein kleines ‘‘Problemland“ . Aber wir haben ja schließlich eine Argentur gefunden, die uns an eine dt Reisegruppe vermittelt hat, die in unserer Zeit auch nach Libyen fährt. An der Grenze angekommen, haben wir problemlos unsere Gruppe gefunden und nachdem wir am tunesischen Zoll abgefertigt wurden, trafen wir gleich unseren Reiseführer Mohammed, der sehr gut Deutsch spricht und sehr sehr sympathisch ist, er hatte trotzdem direkt eine Überraschung für uns, denn Libyen verlangt außer einem Reiseführer auf einmal auch, dass ein Touristenpolizist die Reise begleitet, dass heißt auch für ihn müssen wir Kost, Logis und Rückflug von der ägyptischen Grenze nach Tripolis zahlen. Aber wie ihr auf den Bildern sehen könnt, ist auch er ein sympathischer Zeitgenosse und da er kaum Englisch spricht ein ruhiger Begleiter. Da Mohammed schon alle Grenzmodalitäten erledigt hatte, war es eine völlig entspannte Einreise, was sehr erfreulich war, da wir es anders erwartet hatten. Nach der Grenze hat uns gleich eine überlebensgroßes Kadhafi -Poster empfangen und natürlich gings danach sofort volltanken für  7,20€, da man in dem riesigen Land mehrmals in das Vergnügen kommt, bekommt man fast schon die Kosten für die Grenzabfertigung und den Guide, von stattlichen 340€ für uns zwei, wieder raus. Da Tripoli relativ nah an der Grenze liegt, haben wir gleich am ersten Tag die Hauptstadt besucht. Da unsere Reisegruppe eigentlich nur Transit durch Libyen wollte und mit ihren Steyr auch nur 80Km/h fahren kann, hatten wir leider einen engen Zeitplan und waren nur 2std in Tripolis. Tripolis hat ca 2 Mio. Einwohner und die Teile die wir gesehen haben, haben uns sehr gut gefallen. Am Meer werden große Bauprojekte, Hotels etc., verwirklicht und die Altstadt und der große Grüne Platz auf dem Kadhafi zu seinem Volk spricht ist auch sehenswert. Was uns aber vorallem aufgefallen ist, ist die, im Gegensatz zu Tunesien, völlig andere Mentalität der Libyer. Auf dem Souk herrschte fast schon angenehme Ruhe, kein Händler quatscht einen an. Auch auf den Straßen kaum Blicke, oder Angequatsche, höchstens ein freundliches „Welcome to Libya“, Mohammed hat uns dann auch gesagt, wir könnte hier tagelang mit unserem Bus am Straßenrand schlafen und keiner würde sich daran stören, geschweige denn kommen und uns was verkaufen wollen. Das Einzige wo die Libyer völlig am Rad drehen ist beim  Autofahren, sie rasen wie die Verrückten, überholen in letzter Sekunde, auch mal Rechts oder zwischen zwei Autos, manchmal hat man das Gefühl die geben einfach Gas und den Rest legen sie in Allahs Hände. Teilweise sind die Straßen auch völlig katastrophal, was bei einem Erdölland umso verwunderlicher ist. Auch die zahllosen toten Hunde, Schafe, Ziegen,  Kamele (!) und undefinierbare Tierkadaver zeugen von der rücksichtslosen Fahrweise der Libyer. Am Abend hat uns dann Mohammed zu sich nach Hause zum Kamelessen eingeladen und wir haben zum ersten Mal die unermessliche arabische Gastfreundschaft kennengelernt. Kamel schmeckt übrigens sehr gut, so wie das ganze Essen. Mohammed hat sieben Kinder von denen der älteste, wie Mohammed in den 80ern, in Deutschland studiert. Abgesehen davon, dass der Reiseführer nicht billig ist, ist es absolut genial einen dabei zu haben und ihn alles fragen zu können, so haben wir sehr viel über Libyen erfahren. Das riesige Land hat nur 6Mio. Einwohner und lebt komplett von seinem Erdöl, was es zum reichsten Land Afrikas macht. In Libyen ist viel subventioniert. So wollten wir z.B. 2 Baguette kaufen und wollen bezahlen, da sagt man uns, dass es so kleines Geld nicht gibt, wir müssen mindestens 5 nehmen, die 5 Brote haben dann umgerechnet ca 15cent gekostet. Als wir dann wie immer durch endlose Wüstenlandschaften gefahren sind und wir immer wieder mitten drin halbfertige Häuser gesehen haben, hat uns Mohammed erzählt, dass man hier vom Staat 50.000 Dinar Zuschuss bekommt um sich ein Haus zu bauen, also bauen die Leute Häuser für 5.000 Dinar in die Wüste und haben dann 45.000 für andere Dinge. Jeder Libya muss täglich nur 7std arbeiten und bekommt dafür Geld vom Staat, nachmittags kann er sich dann Privat Geld dazuverdienen, Taxifahren, Restaurants etc. In Libyen gibt es sehr viele Gastarbeiter aus ganz Afrika, an den Grenzen zu Ägypten und Tunesien, teilweise fast 100% aus diesen Ländern, und sonst sehr viele Schwarzafrikaner, die von Libyen aus nach Europa kommen wollen, laut Mohammed sterben dabei 90% im Mittelmeer. Diese Schwarzafrikaner, die Kadhafi in Scharen ins Land kommen lässt, damit diese nach Europa können (mittlerweile wieder etwas eingeschränkt, da Europa Druck gemacht hat) werden von den Libyern allenfalls geduldet, man hat das Gefühl sie seien aus Glas und werden nicht mehr beachtet wie die Straßenhunde. Die Blicke die sie dann auf uns Europäer werfen, während sie mit der Hand den Müll von den völlig verdreckten Straßen sammeln um sich Geld zu verdienen für ein ‘‘Boot“ für die Überfahrt nach Europa, spiegel dann alle Hoffnung und ein unendliches Durchhaltevermögen wieder für das Ziel Europa, selbst wenn die Chance nur bei 1:10 liegt. So glücklich wir darüber sind, schämt man sich in dieser Situation dafür Europäer zu sein.
Am zweiten Tag haben wir Leptis Magna besichtigt. Diese alte römische Stadt liegt ca 120km östlich von Tripolis und ist nicht nur sehr gut erhalten sondern auch an einem Stück, also läuft man auf den alten Straßen und allen Gebäuden einer alten römischen Stadt vorbei, Wohnhäuser, Badehaus, Toiletten, Gymnasium, Tempel, Basilikas, Mark, Hafen, Bordellstraße Theater usw. Wenn man dann noch Mohammed dabei hat, dessen Familie schon seit 500 Jahren in Leptis Magna wohnt und er in Leptis Magna Archäologie studiert hat, ist das einfach nur perfekt. Er konnte uns hunderte Details zeigen die einem die Zeit richtig nah gebracht haben. Mohammed hat übrigens schon Gerhard Schröder und andere hochrangige deutschsprachige Politiker durch Leptis Magna geführt, am meisten schwärmt er von Jörg Heider. Wieder typische Araber, aber über die Rechten Ansichten, müssen wir mal ein eigenes Kapitel eröffnen. Nebenbei: Kadhafi war auch schon zweimal bei Mohammed zu Hause. Da Kadhafi in einem Zelt wohnt, wer es nicht wusste, das ist kein Scherz, weiß keiner wo er sich gerade im Land befindet, aber dadurch kommt er immer wieder zu Leuten nach Hause, das nenne ich Nähe zum Volk. Übrigens zieht Kadhafi auch bei Internationalen besuchen sein Zelt einem Hotel vor.