Vorne weg: Da die Reiseberichte immer etwas länger dauern, gibt es bei den Bildern immer wieder Kommentare, oder Erklärungen an Hand derer man im Voraus schon einen Eindruck gewinnen kann.
PS: Die meisten Bilder befinden sich auf cornel.web2business.com oder der Link unter den Fotos.
Endlich ist es soweit, morgen früh den 25.02.09 kann unsere Reise endlich beginnen. Nach vielen Schwierigkeiten und Problemen mit denen wir bereits vor der Reise mehrfach konfrontiert wurden, können wir unser Abenteuer endlich starten. Das größte Problem waren unsere Pässe und die Visa für Saudi-Arabien und Syrien, die trotz hundertprozentiger Zusicherung am 20.02.09 nicht fertig waren. Nun, nach neuer Zusicherung, dass die Visa heute, Dienstag den 24.02. fertig sein sollen und selbst der Express Versand der Deutschen Post nicht schnell genug ist, da unsere Fähre morgen Abend um 18 ab Genua losfährt, haben wir uns dazu entschlossen, dass Cornelius mit der Bahn nach Berlin fährt, um die Visa und unsere Reisepässe persönlich abzuholen. Der Witz war, dass wir durch das Umbuchen von Sa auf Mi eine billigere Fähre bekommen haben und trotz Stornogebühren 160€ zurückbekommen haben.
Zu unserer Reise: Einen kleinen Vorgeschmack liefert das Bild der geplanten Route. Wenn sich dem nichts in den Weg stellen sollte, werden wir diese Route auch fahren. Im Detail führt sie uns von Freiburg nach Genua. Von dort mit der Fähre nach Tunis, quer durch Tunesien bis zur libyschen Grenze, wo wir ca. am 10.03 auf eine Gruppe, bestehend aus fünf Leuten, treffen, mit denen wir Libyen durchqueren werden. Der Grund warum wir dieses Land als größere Gruppe durchqueren ist folgender. Zunächst einmal muss jeder, der Libyen bereist von einem Reiseführer begleitet werden. Als wir dann also in Kontakt mit einer Reiseagentur in Tripolis standen, gab es von heut auf morgen neue Einreisebestimmungen, welche besagen, dass man mindestens zu viert sein muss. Nach diesem Rückschlag, der unsere Route ein weiteres Mal verkürzen sollte, kam über Umwege der freundlichen Kontakt mit der Reisegruppe zustande.
Wenn wir nun also Libyen durchquert haben, geht es wieder alleine weiter vier Wochen durch Ägypten, den Nil herunter und am Rotenmeer wieder hoch. Anschließend wieder mit einer Fähre nach Jordanien. Nach zwei weiteren Wochen Jordanien und zwei Wochen Syrien werden wir per Transit Visum innerhalb von 3 Tagen Saudi Arabien durchqueren, um in den V.A.E. Vereinigten Arabischen Emiraten, zu landen. Von dort aus geht es nun zum dritten und letzten Mal wieder mit einer Fähre in den Iran, quer durch bis in die Türkei, über den Bosporus und die Balkan Staaten zurück nach Deutschland. So sieht unsere Reiseplanung aus und wir hoffen sehr, dass wir die geplante Route auch fahren können.
Die Fahrt nach Genua und mit der Fähre nach Tunis verlief entspannt und relativ reibungslos. Eines der wenigen Problemchen war nur, dass wir nichts zu essen dabei hatten und da das Essen sehr sehr teuer war und auch nicht besonders appetitlich aussah, haben wir ca. 24std nichts gegessen. Auf der Fähre waren hauptsächlich Tunesier die in Italien oder Frankreich leben und mit unglaublich vollbepackten Autos, Bussen etc. nachhause gefahren sind und alte französische Ehepaare mit ihren riesen Wohnmobile. In Tunis angekommen wartete erst mal der Zoll auf uns, wobei es uns eigentlich weniger hart getroffen hat wie die Tunesier die ihren ganzen Haushalt, den sie aufs Auto gepackt hatten, vor den Zöllner ausbreiten mussten. Wir hatten nur Schwierigkeiten durchzublicken welche Papiere man wo vorzeigen, bzw. wo holen musste, daher hat es ca. 1 1/2std gedauert.
Wir hatten uns im Voraus kein Ziel in Tunis rausgesucht und daher fuhren wie erstmals, mittlerweile war es schon dunkel, einfach los. Durch einen Tipp aus dem Reiseführer sind wir etwas außerhalb von Tunis in den Vorort Sidi Boa Said gefahren. Als wir dann an dem monumentalen und extrem streng bewachten Präsidentenpalast vorbeifuhren, merkten wir, dass hier wohl die betuchtere Gesellschaft lebt und wir fanden einen Parkplatz in der Zone Touristic der bewacht wurde. Der Parkplatz lag an einem Hügel über Tunis und dahinter schlängelten sich unbeschreiblich malerische Gassen durch die, in ganz Sidi Boa Said blau-weiß gestrichenen, Häuser. Dazu hatten wir noch W-LAN. Aber als wir gerade ins Bett wollten, klopfe es an der Scheibe und die Security teilte uns mit, dass man hier eigentlich nicht schlafen darf, aber für 40 Dinar, ca. 25€, würden sie ein Auge zudrücken, naja abgesicherter Parkplatz, traumhafte Aussicht und W-LAN, das war’s uns wert. Am Morgen gab es dann erstmal frischgepressten Orangensaft aus den Orangen die wir für 60cent das Kilo noch am Abend gekauft hatten, lecker wäre untertrieben… Danach haben wir uns die Ruinen des alten Karthago angeschaut, da diese direkt neben Sidi Boa Said liegen. Die Ruinen liegen sehr verteilt im dem nach ihnen benannten Vorstädtchen Karthago. Die Ruinen sind nicht unbedingt das Spektakuläre, es sind eher die tollen Panoramablicke die man an den verschiedenen Ausgrabungsorten hat. Tunis liegt in einer großen Bucht, aber zieht sich auch ewig ins Hinterland, es ist um einiges größer als wir uns das gedacht hatten und ist mit seinem Flair problemlos mit jeder Südeuropäischen Stadt vergleichbar, wenn sie sie nicht sogar übertrifft. Besonders Sidi Boa Said, haben wir zu unserer zukünftigen Wahlheimat erklärt, wir hoffen die Bilder geben ein wenig von dem Charme wieder.
Am zweiten Tag haben wir uns von netten Mädels die uns in Tunis angesprochen haben und sehr gut Englisch sprechen durch den Souk führen lassen. Der Souk (Markt) in der Medina (Altstadt) ist wirklich ein einstiger Spießroutenlauf, durch die zwei Meter breiten Gassen, an den Ständen vorbei und den Händlern die versuchen einen in ihren Laden zu locken, zum Glück hatten wir Begleitung, sonst hätten wir wahrscheinlich nicht mehr herausgefunden. Die Mädels haben uns noch ein wenig über die tunesische Kultur, bzw die Jugend erzählt, uns ist das meiste aber auch schon selber aufgefallen, dass der Islam nicht mehr wirklich praktiziert wird, Wochenende ist nicht Freitags, sondern wie bei uns, Kopftücher werden nur noch gelegentlich aus modischen Gründen getragen usw. Am Tag danach sind wir in Richtung Norden gefahren in den National Park Ichkeul. Auf dem Weg dorthin ist uns schon aufgefallen wie grün die Landschaft in Tunesien ist, mit unendlichen Feldern und Olivenplantagen, aber was uns dann in dem Nationalpark erwartet hat, war schon verrückt, das sah teilweise aus wie in den schottischen Highlands, sattes Grün, der See mit den Bergen und ein rauer Wind. Hier sind wir dann einfach etwas tiefer in die Natur gefahren und haben dort wunderbar übernachtet. Danach gings wieder zurück nach Tunis, natürlich nach Sidi Bousaid an unseren Parkplatz. Dort haben wir einen ausführlichen Bummel durch das Städtchen gemacht und was sollen wir sagen, ihr könnt euch die Bilder anschauen, es ist einfach unglaublich schön. An diesem Tag war übriegens Fußball Stadtderby in Tunis und die Stadt stand wirklich Kopf. Am Abend kamen wieder neue Nachtwächter die sich aber leider nicht bestechen ließen, also haben wir uns einen schönen Parkplatz direkt am Meer gesucht, wo wir noch eine weitere Nacht übernachten haben.
Von Sidi Bousaid sind wir immer mit dem Schnellzug in die Stadt, meistens war der völlig überfüllt, trotzdem haben sich die Tunesier an jeder Haltestelle weiter hinein gequetscht, auch wenn die Tür nicht mehr zuging, oder sie haben sich noch während der Fahrt an die Tür gehängt. Als wir mal wieder durch Tunis geschlendert sind hat uns ein Mann in sehr gutem Deutsch angesprochen, er sei vom Hotel, sein Bruder arbeitet in München bei BMW usw., da wir gefragt haben wo es noch Interessantes zu sehen gibt, meinte er er nimmt uns mit zu einem traditionellen Blütenpressen im Souk, natürlich hat er uns einfach nur zu einem Stand gebracht an dem sie uns dann Parfüm angedreht haben, da er uns ewig zugelabert hat und wir uns auch das Parfüm vorführen lassen haben, kamen wir nicht mehr aus dem Laden ohne was zu kaufen. Der Mann hat uns dann wieder aus dem Souk herausgeführt und uns dann noch um ein paar Dinar angebettelt, das war uns dann wirklich zu viel, nachdem er uns verarscht hat noch zu betteln, hier dreht sich alles nur darum den Touristen das Geld abzuknöpfen. Die Maschen haben wir dann danach noch mehrmals erlebt: „hey, ich bin doch der Koch in deinem Hotel, ich will dir kurz was zeigen“ usw. Naja, beim ersten Mal haben wir eben noch Lehrgeld gezahlt und zur unserer Verteidigung, der erste war wirklich mit abstand der Beste.
Nach den 3-4 Tagen in Tunis sind wir dann nach Zaghouan gefahren, einer Stadt am Fuße des 1300m hohen Berg Zaghouan, der sich mitten aus der Falchen Landschaft erhebt. Hier gibt es eine Quelle aus der die Römer Wasser bis ins 60km entfernte Karthago (Tunis) geleitet haben, mit Wasserleitungen und langen Aquadukten, schon verrüc kt diese Römer. Da es schon Abend war sind wir dann einfach auf einer engen kurvigen Straße/Weg den Berg hoch gefahren und haben dann ca auf der Hälfte auf ei nem Plato übernachtet, mit einer grandiosen Aussicht auf die Ebene auf der einen und schroffen Felswänden auf der anderen Seite. Da oben wars richtig windig und unser Auto hat die ganze Nacht geschauckelt, aber die Aussicht war es wert. Am Morgen hatten wir dann Weckdienst vom Militär, der uns fragten was wir hier suchen und das wir hier eigentlich überhaupt nichts zu suchen haben, naja aber eigentlich war er uns dann freundlich gestimmt und wir haben uns dann ohne Frühstück verzogen, richtung Osten nach Hammamet ans Meer.
Über die Städte Hammamet, Nabeul, Sousse, Monastir usw. kann man eigentlich zusammenfassend sagen das sie unfassbar große Touristen Hochburgen sind, die denen in Spanien in nichts nachstehen, aber teilweise etwas schöner angelegt, vorallem in Hammamet und Sousse (El-Kanthoui) hat man ganze Touristenstädte gebaut mit Häfen etc. Jede dieser Städte hat aber auch eine Medina mit großen Stadtmauern und Souks, da wir ein paar dieser Städte an einem Tag besucht haben, hatten wir irgendwann dermaßen die Schnauze voll von den Händler und sonstigen Leuten die nur an das Geld der Touristen wollen. Man schländert dort lang und jeder Ladenbesitzer will einen in den Laden locken: „ Sava? Francai? Deutsch? Nur eine Frage. Schau, schau!“ Usw. Dann an den Restaurants das gleiche und dann kommen noch welche und stecken dir Nüsse für die Familie zu um dann Geld zu verlangen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Das Meer, bzw. die Küste ist leider überhaupt nicht schön, zumindest die freien Plätze, hinter den Hotelanlage ist sicherlich der ein oder andere nette Strand. Wir haben dann einfach auf dem Parkplatz von einer der Hotelanlagen übernachtet, was nicht unbedingt schlecht war. Um jetzt ein nicht allzu negatives Bild zu hinterlassen, diese ganzen Städte sind absolut sehenswert, wenn man sich mal mit den Händlern abgefunden hat, ist es wunderbar durch die Gässchen zu schlendern, die unverschämt leckeren, in Zucker und Fett gepackenen, Backwaren zu essen, das Wetter zu genießen und sich die Medinas, Stadmauern, alten Häfen und Moscheen anzuschauen. Aber es ist natürlich alles auf den Tourismus ausgerichtet, auc h die Preise und zur jetzigen Zeit laufen hier auch nur Rentner rum. Nach den Küstestädten sind wir wieder Richtung Landesinnere, nach EL Djem gefahren. Mitten in diesem kleinen Städtchen steht ein erstaunlich gut erhaltenes Koloseum, das dem in Rom verblüffend ähnlich sieht. Auf dem Parkplatz vor dem koloseum haben
wir dann auch die Nacht verbracht. Schon auf dem Weg nach El Djem kam ein immer stärker werdender Sturm auf, der die rote Erde in die Luft gewirbelt hat, dadurch leuchtete der Himmel fast rot. Als wir dann auf direktem Weg ins Landesinnere und in die Wüste gefahren sind, wurde es immer schlimmer und der Sturm hat nur noch eine Sichtweite von 30-50m zugelassen. Unser Ziel waren die Oasen von Douz und Tozeur die mehr oder weniger an einem riesiegen Salzsee, dem Chott El Djerid, liegen, der auf der tunesischen Landkarte nicht zu übersehen ist. Die erste Nacht waren wir in Douz, aber da der Sturm immer noch im Gange war, konnte wir noch nicht wirklich einen Eindruck von den weiten der Wüste bekommen. Die Nacht haben wir auf einem, man kann es schon fast einen Austeigercampingplatz nennen, verbracht, dort haben wir einsame deutsche Renter getroffen die dort vor dem Kalten Wintern in Deutschland flüchten und Abenteurer die regelmässig die Welt bereisen. Ansonsten war in Douz, auch wegen des schlechten Wetters nicht viel los. Also ging es am nächsten Tag immer noch bei Sturm nach Tozeur, der grössten Oasenstadt Tunesiens. Dorthin führt eine Strasse die direkt über den Chott El Djerid führt, durch endlose Weiten, Wüstenlandschaft, die aber immer noch von kleine Sträuchern bewachsen ist und immer wieder an Oasenstädtchen mit großen Palmenwälder vorbei. Am zweiten Tag in Tozeur ist das Wetter zum Glück endlich besser geworden und wir konnten die vollen Weitblicke der Wüste genießen. Den ersten Tag haben wir aber wunderbar mit der Fahrt durch den Palmenwald von Tozeur füllen können, der einem teilweise ein kleines Urwald- Feeling vermittelt hat und durch die grünen Acker am Boden und den riesigen Palm einfach nur unglaublich toll aussieht, ihr habt ja die Bilder sicherlich schon gesehen. Am zweiten Tag, bei besserem Wetter, haben wir dann eine 4 stündige Quadtour gemacht. Diese Quadtour war einfach nur der absolute Hammer. Wir sind über Dünen gefahren, vorbei an kleinen Salzseen, durch Grand Canyons und zu guter letzt zur original Filmkulisse von Star Wars. Verrückt zu sehen welche immensen Kosten und Mühen für Filme ausgegeben werden. Dann sind wir noch nach Nefta, ca 20km vor der algerischen Grenze, gefahren. Nefta ist berühmt für den, laut Reiseführer, schönsten Ausblick Tunesiens und er ist wirklich wunderschön. Vor einem ist eine Art Krater in dem eine satt grüne Oase ist und auf dem gegenüberliegenden Rand sitzt die Stadt Nefta mit ihren Kuppelbauten und dahinter ist wieder ein Palmenwald und das ganze wird aberundet durch den Chott El Djerid, der sich im Hintergrund bis zum Horizont ausbreitet. Den vorletzten Tag fuhren wir dann auf die bekannten Urlaubsinsel Djerba, von der wir wirklich positiv überrascht waren. Ein schönes Meer, viele Palmen und geschmackvolle Hotelanlagen. Die letzte Nacht haben wir dann direkt vor der Grenze verbracht, da wir nicht genau wussten wo sie beginnt, wir wollten uns eigentlich ein paar Km davor mit unsere Reisegruppe für Libyen treffen, standen wir auf einmal mitten drin, aber da wir mit dem Bus mittlerweile überall übernachten können: Einfach Tür zu und gute Nacht.
Fazit zu Tunesien: Es waren wirklich wunderbare 10 Tage. Landschaftlich ganz toll und die Menschen waren auch alle sehr nett zu uns und wir hatten absolut keine Probleme. Was etwas schade war, dass wir mit keinem tuneschichen Mann sprechen konnten ohne, dass er uns etwas verkaufen wollte, jeder der uns von sich aus angesprochen hat, wollte uns etwas verkaufen und das meistens mit einer Beharlichkeit durch die man sich oft sehr bedrängt fühlt. Das man auch immer, ob Internet-Cafe, kleineren Supermärkten, Restaurants und natürlich in Souks quasi den doppelten Preis zahlt nur weil man Tourist ist, ärgert einen schon. Aber, man lernt auch damit umzugehen. Was man unbedingt machen muss, ist die Backwaren zu probieren, die sind der Knüller! Das normale Essen war gut wobei es nicht einfach war arabisches Essen zu finden, da die meisten Restaurants, Pizza, Bürger usw anbieten. Besonders die Zeit in Tunis und in den Oasen war unglaublich toll, zum ersten Mal die Wüste zu erleben, die tollen Palmengärten und natürlich das malerische Sidi Boa Said, aber auch der Berg Zaghouan und der Naturpark Ichkeul waren echte Erlebnisse. Also, nicht nach Tunesien fliegen und in der Hotelanlage vergammeln, die Fähre ist billig und die Einreise total einfach und man kann sich völlig frei im Land bewegen, die andere Kultur liegt quasi vor der Haustür.
Die unzähligen kleinen Erlebnisse, die unsere Reise bisher wahnsinnig kurzlebig gemacht haben, müssen dann zuhause erzählt werden.
Diese Homepage wurde von Cornelius Hörner erstellt.